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Kleine Gärten – bunte Vielfalt


Eine Reise durch die bunte Welt der Kleingärten

20 Kleingärtnervereine, 15 Bundesländer, 12 Tage, 7 Jurymitglieder, ein Bus: Die Juryreise für den Bundeswettbewerb Gärten im Städtebau 2018 ist vollbracht. Nun heißt es: Auswerten – und Medaillen und Preisgelder verteilen. Wie wichtig die Inaugenscheinnahme für den Wettbewerb ist, hat sich auch 2018 wieder deutlich gezeigt. Denn erst vor Ort können die bunten Gärten, das beispielhafte Engagement der Gärtner und das besondere Zusammenspiel zwischen Gartenanlage und Gemeinde richtig wirken.

Kleingärten sind Lebensqualität

Gärtnern ist spießig? Von wegen! Gegärtnert wird überall in Deutschland, über Generations- und Kulturgrenzen hinweg. Vor allem für Städter, deren Alltag größtenteils öffentlich, in standardisierter Architektur getaktet durch funktionale Infrastruktur stattfindet, sind Kleingärten private Mini-Oasen, die Erholung, Begegnung und Naturerlebnisse bieten. Den großen Wert der kleinen Gärten sehen zum Glück auch viele Kommunen und fördern sie als Teil der grünen Infrastruktur.

Insektensterben? Im Garten summt es

„Totgepflegte“ Kleingärten mit Ripphemdträger, Gartenzwerg und Nagelscheren-Rasenkante: sie sind längst Klischee. Stattdessen summt und brummt es überall. So werden in 19 der 20 besuchten Vereine Bienen gehalten. Das verhilft den Gärtnern zu besseren Ernten und bietet den Völkern reichhaltige Nahrung – die ganze Saison über.  Mit der Vielfalt an Pollen- und Nektarspendern im Kleingarten kann das typische Agrarland schon lange nicht mehr mithalten. Eine echte Win-Win-Situation für Bienen und Gärtner. Honig – behutsam geerntet – gibt’s für beide obendrein. Darüber hinaus gibt’s Hosting-Angebote in nahezu jedem Kleingarten: Insektennistwände, Hummelkästen, Blühstreifen und Schmetterlingswiese:  Airbnb* im „Insektenhotel“.
(* Weltweite Plattform zur Buchung und Vermietung von privaten Unterkünften mit Sitz in San Francisco)
 

Natur statt Chemiekeule

Dass Gärten Teil der Natur sind, haben die jüngeren Gärtner wieder gelernt. Die Zeiten der verbissenen Kriege gegen Kohlweißling, Kartoffelkäfer und Co. sind vorbei. Stattdessen setzen die Gärtner auf ein friedliches Miteinander. Herbizide und chemisch-synthetische Mittel gegen Pilzbefall und Schadinsekten kommen nicht mehr zum Einsatz. Lieber nimmt man eine Saison ohne Äpfel oder Kohl hin – im nächsten Jahr wird es schon besser werden.

Neue Gärtner – neue Werte

Mit Laissez-Faire hat das neue Gärtnern aber wenig zu tun. Im Garten wird das einfache Leben gesucht – und die Demut entdeckt. Respekt vor der Natur und viel Geduld sind hier die wichtigsten

Fähigkeiten. Bei allen anderen Fragen stehen Fachberater Gartenneulingen zur Seite. Auch wenn im Garten Erholung gesucht wird, schottet sich die neue Generation nicht ab, sondern kommt mit viel Wille zur Selbstorganisation und Verantwortung. Vereinsarbeit? Klar doch, aber eben etwas anders. So wird das Kleingartenwesen langsam an eine neue Generation übergeben – und  sein Fortbestehen gesichert.

Kleingärten sind Umweltgerechtigkeit

Die ersten Kleingärten entstanden vor 200 Jahren, die Idee lebt fort. Das macht sie zum nachhaltigsten aller Urban-Gardening-Konzepte. Woher kommt diese Vitalität?  Es ist die Anpassungsfähigkeit der Kleingärtner, ihre Bereitschaft, sich immer wieder neu zu erfinden ohne ihr Wesensmerkmal  in Frage zu stellen. Kleingärten, das grüne Glück all jener, die sich keine Villa am grünen Stadtrand leisten können, ermöglichen seit Anbeginn die Teilhabe an der Wohlfahrt gesunder Umwelt. Hinzu kommen das Vermächtnis langer Fürsorge-Erfahrung und ein großer Wissensschatz des Gärtnerns in den Vereinen.

Vital und nachhaltig

Seit Charles Darwin wissen wir: eine hohe Variabilität und damit die Fähigkeit zur Anpassung sichern  das Fortkommen einer Spezies. Die "Spezies Schrebergärtner" ist erneut mitten drin in einem solchen Prozess, so die Jury. Mit Garden-Sharing, Rent-A-Bed, Ernte-Teilen oder Artenschutzprojekten nehmen die Kleingärtner*nnen erneut voll Neugier und Tatkraft gesellschaftliche Impulse auf und entwickeln sich und ihre Kleingärten so beständig weiter.


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